DIN 2304 → ISO 21368: Übergangsfristen und was sich wirklich ändert
Ab August 2026 ist ISO 21368 verbindlich. Was sich gegenüber DIN 2304 ändert, welche Klebbetriebe betroffen sind und wie die Umstellung gelingt.
Warum kommt ISO 21368?
DIN 2304 war seit 2016 die maßgebliche deutsche Norm für Klebprozesse in der allgemeinen Industrie. Sie definierte vier Qualitätsklassen (K1–K4) und legte Anforderungen an Klebbetriebe, Personal und Dokumentation fest.
Mit der zunehmenden Internationalisierung der Fertigung wurde eine europäisch und international harmonisierte Lösung nötig. Das Ergebnis: ISO 21368, erarbeitet von ISO/TC 61 in Zusammenarbeit mit dem CEN.
Wer ist von der Umstellung betroffen?
ISO 21368 betrifft alle Betriebe, die:
- Klebprozesse nach DIN 2304 dokumentieren
- eine DIN-2304-Zertifizierung besitzen oder anstreben
- Klebanweisungen auf Basis von DIN 2304 erstellt haben
Betriebe im Schienenfahrzeugbau, die bereits nach DIN 6701 / EN 17460 arbeiten, sind von ISO 21368 nicht direkt betroffen — EN 17460 bleibt ihre Norm.
Was ändert sich gegenüber DIN 2304?
Sicherheitsklassen statt Qualitätsklassen
DIN 2304 kannte vier Qualitätsklassen K1–K4. ISO 21368 führt vier Sicherheitsklassen S1–S4 ein, die sich stärker an der sicherheitstechnischen Bedeutung der Klebverbindung orientieren:
- S4 (früher K1): Sicherheitsrelevant — Versagen gefährdet Personen
- S3 (früher K2): Funktionsrelevant — erhebliche Beeinträchtigung möglich
- S2 (früher K3): Begrenzt sicherheitsrelevant
- S1 (früher K4): Vernachlässigbar
Risikobeurteilung als Pflicht
ISO 21368 fordert für jede Klebverbindung eine dokumentierte Risikobeurteilung. Diese Anforderung war in DIN 2304 weniger explizit.
Erweiterte Prozessanforderungen
Prozessparameter wie Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit und Vorbehandlungsdetails müssen nach ISO 21368 systematischer dokumentiert werden.
Stärkere Qualifikationsdokumentation
Die Nachweispflichten für DVS-Qualifikationen (EAB / EAS / EAE) werden konkretisiert und erweitert.
Checkliste: Umstellung bis August 2026
Folgende Maßnahmen sollten Betriebe bis August 2026 umsetzen:
- Bestandsaufnahme: Alle Klebanweisungen auf ISO-21368-Konformität prüfen
- Sicherheitsklassen: K1–K4 in S1–S4 überführen und überprüfen
- Risikobeurteilungen: Für alle Klebverbindungen erstellen
- Prozessparameter: Dokumentation erweitern
- Qualifikationsnachweise: Auf ISO-21368-Anforderungen prüfen
- Akkreditierte Prüfstelle: Übergangsplan abstimmen
Fazit: Jetzt beginnen, nicht warten
August 2026 klingt weit weg — ist es aber nicht, wenn die gesamte Klebanweisungs-Bibliothek überarbeitet werden muss. Betriebe mit 50+ Klebanweisungen sollten heute beginnen.
KlebDoku markiert automatisch alle Klebanweisungen, die noch nicht auf ISO 21368 umgestellt sind, und führt durch die nötigen Ergänzungen.
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