Klebanweisung nach EN 17460 erstellen – Schritt für Schritt
Eine normkonforme Klebanweisung nach EN 17460 enthält mehr als nur den Klebstoffnamen. Alle Pflichtfelder, typische Fehler und wie digitale Tools helfen.
Was ist eine Klebanweisung?
Eine Klebanweisung (KA) beschreibt verbindlich, wie eine bestimmte Klebverbindung herzustellen ist. Sie ist das zentrale Dokument der Klebdokumentation und bildet die Basis für jede Fremdüberwachung nach EN 17460.
Ohne aktuelle, normkonforme Klebanweisungen für alle aktiven Klebprozesse ist eine Zertifizierung nicht möglich.
Pflichtfelder einer EN-17460-konformen Klebanweisung
Identifikation
- KA-Nummer und Revisionsstatus (z. B. Rev. 03)
- Datum der Erstellung und letzten Änderung
- Ersteller und Freigabe durch qualifizierte Person (EAS oder EAE)
- Sicherheitsklasse (A1, A2, A3 oder S1–S4)
Anwendungsbereich
- Beschreibung der Bauteile und Werkstoffe (Fügeteilbeschreibung)
- Anwendungsbereich und Einschränkungen der Klebanweisung
Klebstoffe und Prozessmaterialien
- Klebstoffbezeichnung (Handelsname und chemische Basis)
- Klebstoffhersteller und Freigabedatum
- Primer, Reinigungsmittel, Trennmittel mit Produktbezeichnung
- Mischungsverhältnis bei 2-Komponenten-Systemen
Vorbehandlung der Fügeteile
- Reinigungsverfahren (mechanisch / chemisch / Plasma / Flamme)
- Reinigungsmittel und Wirkungsweise
- Zulässige Zeitspanne zwischen Vorbehandlung und Klebstoffauftrag
Klebstoffauftrag
- Applikationsmethode (Rolle, Rakel, Pistole, Düse, manuell / automatisiert)
- Schichtdicke / Auftragsmenge
- Offene Zeit und max. Verarbeitungszeit
Fügung und Fixierung
- Fügeprozess und Fügedruck
- Fixierungszeit und -methode
Aushärtung
- Aushärtungstemperatur und -zeit
- Mindestwartezeit vor Weiterverarbeitung
Prozessparameter-Grenzen
- Zulässiger Temperaturbereich (Umgebung und Fügeteil)
- Zulässige Luftfeuchtigkeit bei Applikation
Prüfung
- Prüfmethoden und Prüfumfang
- Akzeptanzkriterien
Häufige Fehler bei Klebanweisungen
1. Fehlende Revisionsverwaltung: Eine Klebanweisung ohne Revisionsnummer ist bei Audits ein sofortiger Mängelbefund. Jede Änderung muss als neue Revision dokumentiert werden.
2. Unvollständige Vorbehandlungs-Angaben: "Fläche reinigen" reicht nicht. Das Reinigungsmittel, das Verfahren und die zulässige Wartezeit nach der Reinigung müssen angegeben sein.
3. Fehlende Sicherheitsklassen-Zuordnung: Die Sicherheitsklasse fehlt in überraschend vielen Klebanweisungen — obwohl sie die Grundlage für alle weiteren Anforderungen ist.
4. Kein Freigabe-Datum: Klebanweisungen müssen durch eine qualifizierte Person (EAS oder EAE) freigegeben werden. Datum und Name der freigebenden Person sind Pflicht.
5. Veraltete Klebstoffangaben: Wenn der Klebstoff von Hersteller umbenannt oder reformuliert wurde, muss die Klebanweisung aktualisiert werden.
Digitale Klebanweisungen mit KlebDoku
KlebDoku führt durch alle Pflichtfelder mit strukturierten Eingabemasken. Fehlende Angaben werden vor der Freigabe gemeldet. Änderungen erzeugen automatisch eine neue Revision mit Zeitstempel und Bearbeiter.
Der Audit-Export enthält alle Klebanweisungen inkl. Revisionsverlauf in einem strukturierten PDF — bereit für die nächste Fremdüberwachung.
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